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Karsten Schellenberg - fitness worker - personal trainer

Highway to hell


Freitag, 31. August 2007
Morgens mit Chris Kaffee getrunken und dann um 10 h mit dem Jeep nach München. Als wir im Stau stehen, klingelt mein Telefon. Über diesen Anruf habe ich mich echt gefreut, denn meine Klienten haben sehr viel zu tun. „Mein Lieber, alles Gute, du Irrer schaffst das“, so hat D! an mich gedacht. Clemens habe ich letztes Jahr für die Etappe von Schlanders nach Latsch vorbereitet und bin sie mit ihm zusammen gelaufen, er denkt jetzt an mich. Von Franka kam eine SMS und mit Reamonn habe ich noch telefoniert. So haben sehr viele meiner Klienten an mich gedacht und mich unterstützt. Danke von ganzem Herzen!
Von München dann mit dem Zug nach Oberstdorf. Man kann schon die ersten Teilnehmer an ihren Outfits erkennen. Mit einem Grinsen gehen wir an allen vorbei. In Oberstdorf dann gleich zum Einchecken, ein tolles Gefühl, über 300 Irre aus 28 Ländern zu sehen. Team 86 mit der Startnummer 159 ist fertig zum Start! In Oberstdorf haben wir im Hotel geschlafen, in der Schellenbergerstraße. Abends dann die erste Pasta-Party und das erste Briefing. O.k., so werden also jetzt die nächsten Tage aussehen: zwischen 5:30 h und 6:00 h aufstehen, essen, 7-8 h Start, dann am Nachmittag ins Ziel, umfallen, dehnen und entspannen, 18 h Pasta-Party und Briefing für die nächste Etappe. Schlafen. Chris fühlt sich gut und ich will endlich los. Es gelten sehr strenge Sicherheitskontrollen, soll heißen, dass man während des ganzen Rennens einige Sachen dabei haben muss. Beispielsweise müssen wir uns noch Handschuhe besorgen – dazu später mehr.

Samstag, 1. September 2007
Früh aufgestanden und im Hotel gefrühstückt. Erster Kontakt mit einem US-amerikanischen Team. Nachts hat es in Strömen geregnet. Die erste Etappe beginnt um 8 h in Oberstdorf. AC/DC – Highway to Hell, der Puls treibt das Blut durch die Halsschlagader und viele, die aussehen, als könnten sie Bäume ausreißen, haben nasse Augen. Ich auch. Der Startschuss fällt und 330 Verrückte rennen los. 240 km über die Alpen, 14.000 Höhenmeter in einer Woche durch 4 Länder. Im Regen über den Obersdorfer Marktplatz und weg. Heute sind ca. 29 km und 1.400 Höhenmeter zu überwinden, um dann in Steeg (Österreich) anzukommen. Es geht relativ gut. Unsere Taktik lautet: locker anfangen. Es regnet zwar, aber nach den ersten Kilometern ist das egal. Wir rennen den Berg hinauf in eine Nebelwand ... Wahnsinn. Der erste Lauftag vergeht sehr schnell und ohne Probleme: 5 Stunden 40 Minuten und die Beine schmerzen. Das Camp in Steeg ist gut. Alle rennen rum, um Zeitungspapier für ihre nassen Schuhe zu ergattern. Dann Pasta-Party, Briefing und ab ins Bett, mit 50 anderen, ein bisschen wie im Schullandheim. Um 22 h kommt echt einer vom Team und macht das Licht aus. 50 Leute in einem Saal, scheiße, bin eigentlich zu alt für so etwas, kann nur stundenweise schlafen. Übrigens sind heute, auf der ersten Etappe, bereits welche ausgeschieden.

Sonntag, 2. September 2007
Schlecht geschlafen und um 5 h ist die Nacht vorbei. 330 Leute verteilt auf drei große Räume ist o.k. Aber dann die Schlange vor der Toilette ... Der Körper schmerzt von gestern. Um 8 h ist Start in Richtung St. Anton. Knapp 30 km, zwei Anstiege und 1.947 Meter rauf, aber eben auch 1.785 Meter ruuunnnter. Wunderschönes Wetter. Die Emotionen bezwingen die körperliche Anstrengung, wenn man über 2.500 Meter hoch ist. Da oben rennen wir über einen Bergkamm. Ein US-Amerikaner sagt: „Pain makes you feel alive!“ Man muss sich das etwa so vorstellen: über einen schmalen Wanderweg mit großen Steinen rennen, der Boden ist wie Matschpampe und auf der einen Seite geht’s 1.000 Meter runter ... das ist transalpines laufen. Als wir in St. Anton ankommen, bin ich echt erledigt. Über 6 Stunden, die Cracks machen das in der Hälfte, wiegen aber auch nur die Hälfte! Na, ein Lichtblick: Morgen wird es richtig hart. Erst mal Pasta-Party, Briefing und ab in die Halle zum Massenpennen. Ich wollte aus München nicht so viel mitnehmen, schwerer Fehler, die Isomatte im Auto zu lassen, sagt mein Rücken. Womit wir bei meinem wohl unbeschriebenem Geheimnis wären: Ich hatte in diesem Frühjahr meinen zweiten Bandscheibenvorfall (L 5 - S 1) und konnte mich ca. acht Wochen vor dem Transalpin nicht bewegen. Volles Vertrauen zu Ecki und meine eigenen Trainingsmethoden sowie die Behandlung von Lothar und Sabine haben mich wieder „zum Laufen“ gebracht. Und wie! Die richtige Dosis aus ärztlicher Behandlung und meinem Training hat funktioniert. Jeder Schritt hat wehgetan, aber ich brauchte keine Operation. In den 6 Wochen meiner Vorbereitung habe ich 5.573.839-mal mit Ecki telefoniert und mich durch schmerzhafte Trainingseinheiten gequält. Sabine und Lothar haben mich verbogen und entspannt und zum Schluss war ich fit und schmerzfrei! Und ich werde den Transalpin Run 2007 schaffen!

Montag, 3. September 2007
Auweia ... St. Anton – Galtür, das ist der wahre „Highway to Hell“, sagen alle. Fast 33 km. Fast 2.500 – in Worten: ZWEITAUSENFÜNFHUNDERT – Meter rauf. Fast 2.200 Meter runter. Brenn Schenkel, brenn. Und der Hit: Es sind zwei Anstiege, na klasse. Heute ist schon um 7 h Start, so können wir die Schlechtwetterfront umgehen. Team 111, Hans-Werner (der Doc) und Gerd (Hoppel), sind zusammen so alt wie ihre Teamnummer. Beide Superläufer und megafit. Wir haben trotz der Anstrengung viel Spaß. Die Etappe ist wunderschön. Wir müssen über Felsen klettern und am Seil (Klettersteig) hoch. Manche Profi-Teams haben sich hier überschätzt und sind beim zweiten Berg echt eingebrochen. Für mich die erste Schmerzgrenze ... Wooohhh. Auf den Etappen gibt es Verpflegungsstellen (die Profis rennen da vorbei). Für mich sind sie ÜBERLEBENSWICHTIG. Es gibt da: Apfelsinen, Bananen, Studentenfutter, Erdnüsse, Wasser und Riegel. Ich schaffe im Vorbeigehen ALLES und kann gleich weiterlaufen! Wir sind gute 8 Stunden unterwegs gewesen und es geht nix mehr. Dem Puma Damen-Team II geht es genauso. Die Pasta Party in Galtür ist sehr lecker, das Briefing ist mir egal ... nur liegen, dehnen, schlafen. Ha, ha ... schlafen! Wieder nur stundenweise. Der Ruhepuls ist im Moment 90 (neunzig).

Dienstag, 4. September 2007
Galtürm – Scuol (CH) Marathon. Wegen des schlechten Wetters (0°C, Schneesturm) muss die Etappe auf 37 km verkürzt werden. Es ist die spektakulärste. Der Begriff „Single Trail“ muss hier entstanden sein. Schmale, vereiste Laufwege. Hart am Berg und auf der anderen Seite endlos tief runter. Eine Stelle ist so steil und verschneit, dass Gritt vom Frauen-Team „Wildkatzen“ nicht mehr weiter will. Nach ein paar aufbauenden Worten geht es dann! Ihr erinnert euch: Transalpin-RUN, das heißt: Sportschuhe!! In 2.700 Meter durch ein Hochtal gerannt, der Wahnsinn. Die Läufer von Team Puma Kanada waren an zweiter Stelle, das bedeutet, man sieht die Spur sehr schlecht, und so ist es passiert, dass die beiden Läufer kurz vom Weg abgekommen und bis zum Kinn im Schnee versunken sind. Teilweise ist der Sturm so heftig, dass mir die Laufstöcke hochfliegen. Gefühlte -20°C. Bei der zweiten Verpflegungsstelle gibt es Brühe, meine Rettung. Diese Etappe ist hart, schweinekalt, glatt und einfach wunderschön … Das Sanitäts-Team hat super gearbeitet. Wusstet ihr, dass man blauschwarze Fußnägel (vom Bergabrennen) aufbohren kann? Man kann! Ja, tut weh!! Aber man kann am nächsten Tag weiterlaufen. Das Camp in Scuol ist in einem Sanitätsbunker mit dreistöckigen Betten, na ja, ich bin mit Chris ins Hotel, kann aber auch die 4. Nacht nicht schlafen. Pasta-Party ist wieder lecker. Heute habe ich zum ersten Mal Kontakt zu den Spitzenteams bekommen. Interessant, wie die selbst die nassen oder rutschigen Passagen rennen. Ihre Technik ist eigentlich einfach. Sie schauen 5-6 Meter voraus und „scannen“ den Weg. Auf Deutsch: die Füße vertrauen den Augen, also weit schauen und einfach laufen lassen.

Mittwoch, 5. September 2007
Wir bleiben in Scoul. So ein romantisches Bergstädtchen … wunderschön! Uphill Time – soll meinen: Renn den Berg hoch. 6 km und gute 1.000 Höhenmeter. Es wir im 20-Sekunden-Takt gestartet. Und ich kann euch sagen, die Strecke ist verdammt steil. Man muss hier taktisch rennen, sonst platzen dir auf der Hälfte die Oberschenkel. Trotz meines Gewichts komme ich gut in Fahrt und kann zum Schluss (also oben) noch rennen. Auftrag erledigt.

Codename „D A M P F W A L Z E“. Ich habe meine 95 kg in 1:11 hochgewalzt. Am Nachmittag sind wir in die Sauna gegangen. Abends dann zur Abwechslung mal Pizza. Zum letzten Mal im Hotel.

Donnerstag, 6. September 2007
Scoul – Mals. Tol,l gleich noch mal 37 km. Wir sind erst mal 13 km gerannt, dann die erste Verpflegungsstation. Danach auf 2.300m hoch. Und jetzt kommt der Kracher: ein verschneites Hochtal, gefühlte -20°C und Schneesturm. Wir haben das Gefühl, in der Antarktis zu sein. Einfach überwältigend. Der Wettkampf rückt für uns an die zweite Stelle, alle Teams bleiben etwas dichter zusammen und jeder passt auf den anderen auf. Ich glaube, das ist der emotionale Höhepunkt des Transalpine Run 2007. Alle Teams werden vor dem Start kontrolliert: Erste-Hilfe-Paket, zweite warme Schicht, Wetterjacke und alle müssen lange Hosen tragen. Am ersten Tag wurde uns gesagt, dass wir unbedingt Handschuhe dabeihaben müssen, wenn wir vor dem Start ohne Handschuhe erwischt würden, bedeutet das die Disqualifizierung. O.k., also sind Chris und ich durch Oberstdorf gerannt, um ein paar Handschuhe zu bekommen. Ich habe mich lustig gemacht und mir rote Wollhandschuhe gekauft. Und genau die waren jetzt verdammt wichtig. So kann’s gehen mit den Besserwissern.
Chris und ich haben Bettina vom Puma II Team auf dieser Etappe mitgenommen, da ihre Teampartnerin wegen einer Knieverletzung ausgefallen ist. Das hat Folgen. Mit Bettina, sie ist Triathlon Athletin, laufen wir zur Höchstform auf. 37 km und 1.300 Höhenmeter in 5:44 ... unglaublich! Diese Etappe hat sehr viel Spaß gemacht und mir alles abverlangt. Mir tut alles weh, ich will nur noch schlafen und ein bisschen Essen und ein, nee zwei Hefeweizen trinken.
Ich habe wenig Schlaf und esse nicht viel, aber ich nehme meine Aminosäuren und Mineraltabletten, außerdem hat der nette Mann an der letzten Verpflegungsstation immer einen Pot klare Brühe. Mir geht’s gut.

Freitag, 7. September 2007
Unglaublich, wir haben es echt fast geschafft. Noch zwei Etappen und das Wort „hart“ hat eine neue Bedeutung für mich. Mals – Schlanders. Noch mal über 34 km, ich glaube selber nicht, was ich hier schreibe. Nach dem Start heißt es rennen, rennen, rennen und ich höre das Wort „Rappenscharte“ zum ersten Mal. Nach 13 km weiß ich, was Rappenscharte bedeutet. Rappenscharte = Bergspitze = 3.000 Meter. Oben angekommen, kaputt und stolz, umarmen wir uns. Dabei habe ich vergessen, dass es noch 2.339 Meter runter geht. Im Schnee und richtig steil. So steil, dass fast alle erst mal auf dem Hintern gerutscht sind. Dieses Bergablaufen fällt mir am 7. Tag echt schwer und tut weh, weh, weh. Der Zieleinlauf in Schlanders ist sehr schön, wir laufen durch die Fußgängerzone und viele Leute klatschen. Chris und ich haben einen längeren Zieleinlauf, denn wir haben uns verlaufen. Im Ziel werden wir am Pumastand wie immer führsorglich betreut. Eis zum Kühlen der Füße, Wasser und Apfelschorle, ein Handtuch und ab in die Hängematte, zum Abhängen für Matte. Nach fast einer Woche haben wir viele Teams aus aller Welt kennen gelernt. Alles nette Freaks und die Spitzenteams sind einfach unglaublich. Wenn wir morgen wach werden, dann haben wir die letzte Etappe vor uns.

Samstag, 8. September 2007
Die letzten 28 km. Alles, was bis gestern noch weh tat, ist heute weg. Erst mal jedenfalls. Alle Teams, die jetzt noch am Start sind, wippen oder klatschen zu „Highway to Hell“ von AC/DC. Es geht noch mal auf 2.400 und dann lange runter. Mir geht es gut, nur die Füße wollen nicht so wie ich. Im letzten Drittel müssen wir noch mal 7 km rennen. Chris und ich wollen unbedingt unter 5 Stunden bleiben, na ja, was soll ich sagen, wir sind echt gut. Bis uns ein Radfahrer entgegenkommt und fragte, wo wir hin wollen … Also wieder zurück.
Nix mit 5 Stunden, Schmerzen und noch 3 km bis zum Ziel. 2 km und meine Füße tun schweineweh. Chris feuert mich an und nach 5:27 h sind wir im Ziel. Und auf einmal spürt man keine Schmerzen mehr und die Gefühle spielen verrückt. Tränen und Freude wechseln im Sekundentakt und die Medaille mach echt stolz.
Für einen Multisportler wie mich eine harte Woche ... laufen, laufen, laufen. 240 km durch 4 Länder, über die Alpen. Ich kann es nicht fassen. Mein Rücken hat ohne Probleme durchgehalten. Und ich hatte Spaß am Laufen. Was für Ultraläufe gibt es denn eigentlich noch? …zurück

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